Archive for 19. April 2011

„Einfach mal auf’s Murmeltier schießen!“

 (Jonas Redlich, 15 Jahre)

Es geht los: die erste Sportart, die wir heute erleben dürfen, steht fest – Bogenschießen. Die Bögen werden gespannt, die Pfeile werden rangeholt. Im Vorfeld erklärt uns Ina, freundliche Outdoor-Expertin und unsere Begleitung des heutigen Tages, die richtige Technik. Sicherheit geht eben vor. Jeder feuert ein paar Probeschüsse ab. Die ersten Pfeile fliegen natürlich erstmal am Ziel vorbei, aber früher oder später hat nun jeder den Dreh raus. Es folgt ein Wettbewerb: Der Gewinner darf sich vom Verlierer beim Abendbrot bedienen lassen. Andy und René streiten sich schon darum, wer heute Abend bedient, aber nun komme ich. Nach meinen ersten Schüssen weiß ich jetzt, dass das Bogenschießen nicht meine Paradedisziplin ist. Wie sich herausstellt, bin ich auch der, der heute Abend bedient, denn ich treffe weder die Zielscheibe noch die Ente oder das Murmeltier. Sven drückt sich während des ganzen Wettbewerbs, da er Angst hat zu verlieren. Das stellt sich später am Lagerfeuer heraus. Auch wenn ich nicht sehr erfolgreich bin, macht es mir trotzdem Spaß, denn heute ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit einem richtigen Bogen schieße.

Jetzt geht’s auf zum Klettern – eine rund zehn, gefühlt natürlich dreißig Meter hohe Wand sollte erklommen werden. Manche haben schon vorher Angst. Erst wird uns die Sicherung erklärt und die ersten wagen sich in die Höhe. Dass es von unten einfacher aussieht als es letztendlich ist, hat dann fast jeder festgestellt, als die ersten Wagemutigen an der Kletterwand hängen. Das betrifft vor allem Andy, der nach der Hälfte verzweifelt. Ansonsten schafft es jeder bis nach ganz oben. Irgendwann folgt dann der zweite Versuch von Andy und nun schafft er es und steht am Ende doch nicht als Verlierer da. Pia bestätigt, nachdem sie wieder den Boden betritt, dass es ein unglaublich schönes Gefühl sei zu klettern, auch wenn sie erstmal ihre Höhenangst überwinden musste.

Auf zur Feuerstelle, denn jetzt wird uns erklärt, wie man ohne Feuerzeug oder Streichholz Feuer macht. Da man ja nicht immer eine Batterie und Stahlwolle zur Hand hat, sollte man auch auf andere Mittel zurückgreifen können, zum Beispiel eine ganz normale Brille. Andere Varianten sind der Feuerstein und die Lupe. Wie man damit etwas anbrennt, wird uns auch noch praktisch vorgeführt, was für mich sehr interessant ist, da ich meistens ein Feuerzeug zum Anzünden benutze.

Dann gibt uns der Trainer noch den Tipp, dass man ein Lagerfeuer mit einem Tampon entflammen kann. Das wird dann abends auch gleich von Marie ausprobiert, denn sie soll das Feuer zum Brennen bringen, während Denny und Andy das restliche Holz holen. Es folgt ein Abend am Lagerfeuer mit leckeren Getränken und Schokolade.

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Outdoor – Abriss

(Pia Amerongen, 15 Jahre)

Sobald sich die Hanteln statt unter dem Bett im Park und im besten Falle auch in einer Hand befinden, ist das Outdoorsport. Oder nicht? Bei Outdoorsport denkt man weniger an Walking im Park als an todesmutiges Klettern in den Alpen in Jack Wolfskin-Klamotten und mit Schuhen, die sich an der Grenze zwischen albern und sportlich befinden. Ist Outdoorsport also nur sportlich wirkende Bewegung in dementsprechenden Klamotten mit einer Einstellung, die alles zu einem Abenteuer werden lässt?

Axel Müller, 38 Jahre alt, Outdoorexperte und Inhaber des Outdoor Inn in Sonneberg, definiert Outdoorsport kurz und knapp als jeglichen Sport, der draußen stattfindet. So ist seiner Meinung nach Tai Chi im Park genauso berechtigt wie Wandern in den Alpen den Namen Outdoorsport zu tragen, wobei man seiner Meinung nach mit den Begriff Outdoor sehr viel weniger verbindet als jeglichen Draußensport. Outdoor sei ein schwammiger Begriff, der nicht klar definiert ist und der nach Abenteuer und fremden Gegenden klingt, so der Experte. Die Faszination des Outdoorsports und besonders die Beliebtheit der einschlägigen  Allwetter-Klamotten erklärt er sich nicht nur mit den funktionellen Vorzügen, die in der Großstadt ja weniger gebraucht werden, sondern eher mit dem damit einhergehenden Freiheitsgefühl und der Naturverbundenheit. In einer Zeit der Hektik und Koffein-Tabletten sucht der Mensch seine Wurzeln, die nicht in Betonstädten, sondern in der Natur liegen und die ihn dazu verleiten, sich in Kunstfaserkleidung zu hüllen und in Situationen zu begeben, in denen man Freunden sein Leben anvertrauen muss (oder man es sich wenigstens überlegen sollte). So hat Outdoor seine Anhänger überall. Selbst dort, wo es nicht von Nöten wäre, prägt die markante Wolfstatze das allgemeine Stadtbild.

Doch Outdoorsport bedeutet weit mehr als mit einer Jack Wolfskin-Jacke durch die Innenstadt zu dackeln, davon durfte ich mich im April in Sonneberg selbst überzeugen. Ganz ohne Markenklamotten, sondern mit Stoffturnschuhen bekleidet, bauten wir eine Seilbrücke über ein rund 15 Meter tiefes und 25 Meter breites Tal, in dessen Mitte sich ein kleiner, schmutzig erscheinender Teich befand. Sage und schreibe drei Seile, eine Y-Sicherung und ein Geschirr hatten wir zur Verfügung – und man hätte es nicht gedacht, aber wir haben den Teich überquert. Mit Anlauf wurde der Sturz in die Tiefe begonnen, mit Schwung folgte ein spektakulärer Flug über die schöne Landschaft und ein selten anmutig wirkendes Landen auf der anderen Seite, bei den wenigsten klappte das allerdings. Oftmals wurde aus dem Flug ein Fall und aus dem Landen ein Heranziehen. „Hätte ich doch vorher Red Bull getrunken, dann hätte ich jetzt Flügel und müsste nicht hier runterspringen“, brachte Henryk, der Leiter des Ganzen, seine Gefühle auf den Punkt.

Stilecht gehört zum Outdoorsport auch Zelten.  Die Aufbauzeiten variierten von 30 Sekunden für ein Hin-und-fertig-Zelt und 15 Minuten für ein hochmodernes, ultraschickes und total kompliziertes Zelt, das aufgrund der außen liegenden Stangen wie falsch herum aufgebaut wirkt. Doch hier dominierten dann wieder die bekannten Marken. Zwar war keines der Zelte mit der Tatze verziert, doch eine wunderschöne Berglandschaft wies eines von ihnen als qualitativ hochwertig aus, was nicht heißt, dass es leichter aufzubauen war.

Ganz in dem Sinne unserer wölfischen Marke waren wir drei Tage „Draußen zu Hause“.

Teilnehmer und Teamer